Bundesgolddorf
[Im Alten Brauhaus Liedberg]

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Heimatverein

MGV “Cäcilia” Liedberg

   www.liedberg.de

 

Impressionen vom Fronleichnamsfeiertag

 

Bundesgolddorf Liedberg  1985

- im Wettbewerb: Unser Dorf soll schöner werden -

Der historische Ort Liedberg feierte bereits 1936 sein 1000 - jähriges Bestehen.
Wie aus einem Dornröschenschlaf erwacht, wurden nach und nach die einzelnen Fachwerkhäuser ( alle aus dem 16. und 17. Jahrhundert ) zum Teil renoviert und restauriert. Neben dem Sandbauernhof, dem jetzigen Kulturmittelpunkt des Ortes, wurden ein Großteil der Häuser bis auf die Grundmauern entkernt und neu aufgebaut.
So blieb der Lohn der Arbeit nicht lange aus, und  Liedberg wurde nach der Bronze-,  und Silbermedaille im Jahre 1985 sogar die Bundesgoldmedaille im Wettbewerb:                                            ”Unser Dorf soll schöner werden “ zugesprochen. Kräftiger Motor für diese Bemühungen war der ehemalige Bürgermeister Graf von Spee. Seinen Ideen und Initiativen war es zu verdanken, das die Liedberger mitmachten und sich anspornen liessen.Die genannten Erfolge spiegelten diese Bemühungen wider. Zitat von Schirmherrin Gräfin Bernadotte von Mainau: In Würdigung beispielhafter Leistungen bei der bewussten Gestaltung und Pflege des inmittelbaren Lebensraumes und des Zusammenlebens der Bevölkerung auf der Grundlage bürgerlicher Aktivitäten und Selbsthilfeleistungen  hat die Bundesbewertungskommission Liedberg eine Goldplakette zuerkannt. Die Reise nach Berlin zur Verleihung der Siegerplakette bleibt zahlreichen Liedbergern  ein unvergessenes Erlebnis.
So wurde  Liedberg kurzerhand  im " Arbeitskreis historischer deutscher Ortschaften " aufgenommen. Mit  einem Zuschuß aus deren Fond konnten die  Alt - Düsseldorfer Gaslaternen gekauft werden um ein Stück mehr den Ortskern zu bereichern.
Nachdem im Jahre 1998 - 1999 in  10 monatiger  Facharbeit das Straßenbild mit Kleinpflaster verlegt war, bietet sich der Liedberg mit angrenzendem Wald - ein Kleinod für Wanderer und Gäste - als besonders attraktiv an.

Nochmal zurück in die mittelalterliche Vergangenheit:

Ich spreche vom Mühlenturm, dem ältesten Zeuge und erster Bergfried der Liedberger Herren, wahrscheinlich deren von Randerath aus dem 13. Jahrhundert. Er ist sieben Stockwerke hoch. Als Baumaterial wurde Liedberger Sandstein in Quaderform und gebrannter Ziegel verwandt. Nach dem Bau des Schlosses verlor der Wohnturm zunehmend an Bedeutung. 1572 wurde er zur Windmühle umgebaut, und mit hölzernem Umgang und Flügelhaube versehen.Der Umgang wurde 1664 und 1706 in den Kriegen zerstört und in Stein wieder errichtet. Die letzgenannte Ausführung hielt bis 1855. Die aufgrund von ungünstigen  Winden unrentable Mühle verlor bei einem gewaltigen Sturm  den Dachstuhl, die Flügel und die Achse mit dem Kammerad. Deswegen wurde sie seitdem nicht  wieder instandgesetzt.

Vom Schlossturm ein Blick übers Dorf

Das Pfadfindergrab

Lidberg um 1530

Es erinnert an drei Pfadfinder aus Düsseldorf, die am 22. Juni 1930 in die verbotenen “ Sandstollen “ eingedrungen waren und ihrem Leichtsinn mit dem Leben bezahlen mussten.

Bis Ende des19. Jahrhundert wurde in Liedberg Sandstein und Quarzsand  aus den zwei Sandgruben und untertage gewonnen. Die Gewinnung und der  Verkauf hatten die Sandbauern inne. Der Quarzsand wurde  zur Glasherstellung weiterverkauft. Die Sandsteinquadern dienten als Fenster,- und Türeinfassung, Fresströge fürs Vieh, und als Mauerstein in manch alter Fassade umliegender Schlösser, Burgen und Herrenhäuser.Die unrentable mühevolle und vor allen Dingen  gefährliche Arbeit der Sandbauern wurde deshalb 1890 gänzlich verboten und eingestellt.

Das Pfadfindergrab an der Nordseite des Schlosses

Nach den Besichtigungen und dörflichen Erkundungen empfehlen wir eine zünftige, gutbürgerliche Einkehr in unserem Gasthaus, wo die Wirtsleute auch noch so manches aus der Ortsgeschichte mit einigen Anekdoten zu erzählen wissen.

1000 Jahre Liedberg.

Veröffentlichungen in Wort und Bild aus dem  Festbuch zur Jahrtausendfeier der ehem. Gemeide Liedberg.  22.Juni bis 30. Juni 1935.

Gedicht von Michael Becker

Aus breiten Feldern ragt ein Schloß                                                                  mit Mauern die schon halb zerfallen sind,                                                         durch seine Gänge schritt ein starker Troß,                                                      jetzt spricht mit ihnen leis der Abendwind.

Der Turm brach ab, der einmal truzig stand,                                                     und Efeu ragt sich warm um jeden Stein,                                                            faßt trauernd steht die graue, hohe Wand                                                         und zündet allen heißen Lebens Schein.

Hier ruht die Zeit und hält den Atem an,                                                          wenn unten Bauern mit dem Pfluge gehn,                                                          das Große all, das hier vorüber rann,                                                              muß aus den Feldern wieder auferstehn.

2. Teil Dezemberausgabe: Zum Geleit, dieses Zitat vom ehem. Bürgermeister Albers Juni 1935

Wir sind ein Dorf, daß neben der alten Heerstraße liegt. Wir leben in der Stille und tun alle unsere Pflicht und Arbeit am Boden. Wir pflügen und säen und ernten. Dieses ist unsere Freude und das ist die Erfüllung unsere Pflicht, die uns von Gott gesetzt wurde. Seit tausend Jahren liegen um unser altes Schloß die Felder und Äcker, denen wir dienen. Seit tausend Jahren  kommen und gehen die Geschlechter zu Liedberg.Seit tausend Jahren geht hier das Leben seinen Gang, der nicht immer leicht war. Wir alle müßen hart schaffen und wirken, jedoch wir tun dies gerne, weil unser Herz an Blut und  Scholle hängt. Wir alle lieben dieses Land,wil es ein Teil ist von dem großen deutschen Land.

Darum soll die Jahrtausendfeier zu Liedberg ein dankbares Erinnern an alle sein, die tausend  Jahre dem Volke gedient haben. Ein heiliger Schwur, dem Ganzen zu dienen, das Reich mit dem Herzblut zu stützen und Gott die Ehre zu geben. Ein neues Jahrtausend bricht an. Es möge nicht ärmer und schwächer sein als jenes, das an den grauen und verwitterten Mauern des trutzigen Schloßes vorübeging.

Heimatliebe und Heimattreue, Ehrfurcht vor der Vergangenheit und fester, durch nichts zu erschütternder Glaube an die Zukunft unseres Volkes sind die Leitsterne, die der geistigen Idee der Tausendjahrfeier zu eigen sind.

Geleitworte zu seinem Festspiel:                                                                               “ General Jan “.  Ein historisches Festspiel um Jan von Werth, in drei Bildern. Erstaufführung gelegentlich der Tausenjahrfeier von Liedberg am Niederrhein auf Schloß Liedberg, im Sommer 1935.      Von Michel Becker.

Dies ist die Formel, auf die ich in treuer Anlehnung an die Geschichte, die die historische Erscheinung Jan von Werth bringen mußte. Ich müßte ein Kölner sein, wenn mich diese Heldengestalt nicht zwänge, die zum Mittelpunkt einer Dichtung zu machen. Ich müßte die Zeit schlecht verstehen, wenn ich nicht getrieben wäre, einen Menschen zum Mittelpunkt eines großen Spieles zu machen, der dem, was wir alle wünschen, sehr nahe kommt. Worum gehtes denn heute in dem Staat christlicher Prägung und völklicher Besinnung ? Mir scheint: um nichts anderes als um Menschen, die wie im Mittelalter beten und arbeiten können; die den Blick zum Himmel wenden, aber auch mit beiden Füßen fest in der Erde ihrer Väter stehen.

Programm:

Samstag, den 22. Juni: 1935

17.00 Uhr. Eröffnung des Heimatmuseums vor geladenen Gästen

Sonntag, den 23. Juni:

11.00 Uhr: Heldenehrung.

16.00 Uhr Großer historischer Festzug

18.00 Uhr: Erstaufführung des eigens für Liedberg geschriebenes Heimatfestspieles : “ General Jan “

Dienstag, den 25. Juni:

10.00 Uhr: Große Kundgebung der Deutschen Arbeitsopfer - Versorgung  in der Deutschen Arbeiterfront ( Kreisverwaltung Rheydt )

12.15 Uhr: Gemeinssames Mittagessen im Festzelt ( Verpflegung durch die Feldküchen.)

17.00 Uhr: Festspiel “ General Jan “ in der Freilichtbühne. Die Kapelle der Arbeitsopfer - Versorgung sorgt den ganzen Tag für Unterhaltungsmusik.

Mittwoch, den 26. Juni:

15.30 Uhr Kundgebung der NS Frauenschaft der Kreise Neuss, Grevenbroich und Rheydt.

17.30 Uhr: Festspiel “ General Jan “

Donnerstag, den 27. Juni:

Kreisjugendtreffen

17.00 Uhr Festspiel “ General Jan “

Samstag, den 29. Juni:

16.00 Uhr: Treffen der Bundesvereine des Deutschen Sängerbundes

17.00 Uhr: Festspiel “ General Jan “

Sonntag, den 30. Juni:

17.00 Uhr spielen die Musikzüge der Hitler Jugend.

21.00 Uhr Sonnenwendfeier der Hitler Jugend;  2000 Hitlerjungen, Jungvolkpimpfe und Ehrenformationen der gesamten Bewegung marschieren. Nach der Sonnenwendfeier: Beleuchtung des Schlosses mit großem Feuerwerk.

und die Euroga 2002 - 2003

Die dezentrale Landesgartenschau um Schloß Dyck vom 27. April bis 6. Oktober 2003. Zentrum für Gartenkunst und Lanschaftskulturen. Weitere konkrete Hinweise auch unter: www. euroga.de

Diese Seite unterliegt auch einer ständigen Erweiterung mit Berichten, alten Bildern und Texten aus unserem Heimatort Liedberg

Die Tränke

Kahnpartie zwischen Schwänen und Kühen

 

Das am Rande der Schloßstraße nach dem Ersten Weltkrieg errichtete Ehrenmal erinnert nicht nur an die einheimischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges, sondern auch an die von vielen längst vergessene Tatsache, dass dieses Ehrenmal damals in einem kleinen See errichtet wurde, welcher im Volksmund nur "Tränke" genannt wurde. In dieser Tränke sammelten sich das vom Berg abfließende Oberwasser, aber auch die Abwasser der Häuser rund um den Marktplatz

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Liedberger Ehrenmal errichtet: Ursprünglich stand es in der "Tränke", einem kleinen See, den die Jugend für Kahnpartien nutzte. Der Feuerwehr diente er als Löschwasser-Reservoir.
 

Der Begriff Tränke erinnert aber auch daran, dass die Liedberger Bauern ihre Kühe, Ziegen und Pferde hier zum "Tränken" führten. Im historischen Fotoarchiv des Liedberger Heimatvereins gibt es Bilder vom Ehrenmal im kleinen See, wo neben trinkenden Kühen sich Liedberger Jugendliche bei einer Kahnpartie erfreuen (etwa um 1936). Und ein anderes Bild beweist, dass es Ende der 30er Jahre auf "der Tränke" sogar Schwäne gab. Dass die Tränke der Freiwilligen Feuerwehr Liedberg auch als Löschwasserquelle diente, versteht sich von selbst.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Gemeinde Liedberg der kommunalpolitische Neubeginn anstand, wurde zuerst der Denkmalplatz neu gestaltet. Das heißt, das Fundament des Ehrenmals wurde trocken gelegt und zwar mit Bauschutt und sonstigen Abfällen, so dass vor der heutigen Turnhalle noch ein Teil des Tümpels übrig blieb. Wie sich der Heimatchronist Matthias Ahrweiler in seinem "Historischen Rundgang in Liedberg" erinnert, stank dieser Tümpel gerade an warmen Tag so arg, dass man in den Klassen der Grundschule die Fenster nicht öffnen konnte und viele Liedberger auf die vollständige Beseitigung des Resttümpels drängten.

Die Gelegenheit war gegeben, als vor 37 Jahren der historische Ortskern von Liedberg an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen wurde. Das anfallende Erdreich wurde dazu genutzt, den Rest der Tränke aufzufüllen und verschwinden zu lassen. In der vor neun Jahren erschienenen Dokumentation "Historische Ortskerne in Nordrhein-Westfalen" steht über Liedberg: Grundriss und große Teile der Bausubstanz des Ortskerns von Liedberg haben die Jahrhunderte unbeschadet überdauert. Die Tranchotkarte von 1806/07 zeigt die noch heute gültige, von der Straße "An der Tränke" und dem Mühlenberg begrenzte historische Ortslage.

Dank der vor 31 Jahren für Liedberg geschaffenen Gestaltungssatzung wurde die historische Bausubstanz vor unangepassten Modernisierungen bewahrt, zwischen Ehrenmal und Turnhalle lädt eine gepflegte Grünanlage zum Verweilen ein. Selbst im Schatten des Ehrenmals warten Ruhebänke auf Besucher, die in der Stille des Ortes die Geschichte auf sich wirken lassen und sich kaum noch vorstellen können, dass es hier einmal einen kleinen See gab, an dem Kinder spielten und das Vieh getränkt wurde. Wenn Liedberg im Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" vor 16 Jahren mit einer Goldplakette ausgezeichnet wurde, hat auch das gepflegte Ehrenmal-Areal und der Straßenzug "An der Tränke" seinen Anteil daran.

Der Mühlenturm

Der heutige Mühlenturm zu Liedberg - der letzte historische Rest der ersten Liedberger Burg - wurde vor mehr als 400 Jahren als Windmühle umgebaut. Wie in historischen Schriften, vor allem bei Dr. Bremer nachzulesen ist, stand zu Zeiten der Styrum-Herrschaft neben der Windmühle eine Rossmühle, die durch ein Göpelwerk getrieben wurde, wahrscheinlich bei Zeiten der Windstille oder zum Mahlen anderer Früchte als Getreide.

Die lange Geschichte des Mühlenturms als Windmühle näherte sich dem Ende, als die Franzosen im Jahre 1794 die Mühle offiziell zum Domänen-Gut erklärten. 42 Jahre später riss ein gewaltiger Sturm die Flügel mit Achse, Kammrad und einem Teil des Dachstuhles herunter. Seit 145 Jahren steht der alte Mühlenturm verlassen da. Inzwischen wurde er Eigentum der am Liedberg wohnenden Familie Scherer. Als der Müller Hermann Josef Compes am zerfurchten Karrenweg in Richtung Kleinenbroich die neue Mühle schuf, brauchte er die Windstärken und Launen nicht einzukalkulieren.

 

Die technischen Errungenschaften befreiten ihn von dieser Existenzsorge, die ihm von anderen Mühlenbesitzern längst bekannt war. In jener Zeit gab es jenseits des Schotterweges - in Richtung Giesenkirchen - in Compes Mühlen-Nachbarschaft nur die "Brauerei Schieffer" (heute altes Landgasthaus). Historische Fotos von Anno 1914 beweisen, dass damal rund um die Compes-Mühle kaum Bebauung bestand, das Auge vorwiegend saftige Weiden und Ackerland streifte.

Die Liedberger, soweit sie nicht als Bauern interessiert waren, hatten in den Gründungsjahren der Compes-Mühle ganz andere Sorgen: Sie kämpften damals um den Bau einer eigenen Pfarrkirche, weil eben die kleine Schloss-Kapelle für die stetig wachsende Pfarrgemeinde zu klein zu werden drohte. Damals gehörten die Liedberger Katholiken zur Glehner St.-Pankratius-Pfarrgemeinde. Erst im Jahre 1915, im zweiten Weltkriegsjahr, erhielt Liedberg eine eigene Pfarrkirche.

Dies sei nebenbei erwähnt, weil der Bruder des Mühlenbesitzers, Heinrich Compes, zu jenem Personenkreis zählte, der für eine eigene Pfarrkirche in Liedberg kämpfte. Obschon Hermann Josef Compes die Mühle auf das damals Modernste mit Walzenstühlen ausrüstete und später auch zur Groß-Handelsmühle ausbaute, verlor er den härter werdenden Konkurrenzkampf.

Der Grund: die fehlenden aber unbedingt notwendigen Verkehrsanbindungen. Nach 49 Jahren musste der Betrieb eingestellt werden. Bruder Heinrich Compes führte die Mühle allerdings als Lohnmühle weiter. Um die Jahrhundertwende übernahm dann Adam Windges den örtlichen Mühlenbetrieb. Er ersetzte die überholte Dampfkraft durch Elektro- und Ölmotoren. Erst in den frühen 70er Jahren verstummte die Mühle dann für immer, um auf historischem Boden großzügigen Wohnraum zu schaffen.

Was erhalten blieb, ist das erzbischöfliche Wappen über dem Eingang, welches daran erinnert, dass die Compes-Mühle die Nachfolgerin der alten kurfürstlichen Mühle auf dem Liedberg ist. Auch wenn der Mühlenkomplex unter Denkmalschutz steht, fühlt sich Liedbergs Freiwillige Feuerwehr im historischen Gemäuer wohl. Sie wird am 10..September den "Tag der Offenen Tür" dazu nutzen, ihr Gerätehaus "An der Mühle" der Öffentlichkeit entsprechend vorzustellen. Immerhin, die Compes-Mühle ist ein Stück gelebtes Lieberberger Leben.

Die Schlosskapelle

Gebetshaus wurde als Turnhalle genutzt

Am Ende der Schloss-Straße - zwischen Mühlenturm und dem Aufgang zur Burganlage - rundet die Schlosskapelle das historische Marktplatz-Ensemble harmonisch ab. Dort wo die Kapelle vor fast 300 Jahren gebaut wurde, stand bereits im frühen Mittelalter eine Kapelle aus Fachwerk und diente den Liedbergern als Gotteshaus, obwohl Liedberg teilweise zur Glehner Pfarre St. Pankratius gehörte.

Selbst als der Wunsch der Liedberger nach einer eigenen Pfarrei vom zuständigen Vogt Gerhard Rensing (1673) unterstützt wurde, galt dies in der Geschichte als erster Versuch, Liedberg zu einer Pfarrei zu machen. Erst gut drei Jahrzehnte später kam es Dank der Initiative des Vogtes Damian Hermann Nideggen zum Bau der jetzigen Schlosskapelle zu Liedberg. Seine Initialen und die Jahreszahl 1707 erinnern heute noch an den Vogt, der nebenbei auch die Inneneinrichtung der Kapelle besorgte und vor allem den bereits 1705 in Eppinghoven bestellten Barockaltar stiftete.

Von seinem Bruder und Nachfolger im Amt, Johann Peter, stammt die 1709 beschaffte Kommunionbank. Damian Nideggens Frau, Maria Petronella Langendorffs - so ist es im Kreisarchiv nachzulesen - wurde Anno 1708 als erste in der neuen Kapelle, die den Namen St..Georg trug, beigesetzt, wie ihr in die Wand eingelassenes Epitaph aus schwarzem Marmor belegt. Das Ziegelmauerwerk ruht auf Liedberger Sandsteinsockel, ist spitzgiebelig durch waagerechte Ziegelbänder gegliedert und mit ovalen Fenstern versehen. Der Barockaltar mit gedrehten Säulen und gemalter Marien-Darstellung ziert das Innere der eher unscheinbaren Kapelle.

Allerdings, so heißt es im Kreisarchiv weiter, schenkten die Nachfolger der Gebrüder Nideggen der Kapelle weniger Beachtung, so dass sie allmählich wieder herunterkam und zu verfallen drohte. In der Franzosen-Zeit entging sie nur Dank der Initiative des Liedberger Maires Adam Wilms dem Abbruch. Adam Wilms verstand es anzustreben, die Schloßkapelle als "Annexkirche von Glehn" anzuerkennen. Dieser Versuch scheiterte zwar, aber der letzte kurkölnische Amtmann von Liedberg, Josef Knopp, der die Burg-, Schloßanlage vom französischen Staat erwarb, ließ die St.-Georg-Kapelle aus eigenen Mitteln restaurieren.

Erst 1865 wurde Liedberg selbstständige Pfarre mit viel zu kleiner Kapelle als Pfarrkirche. Nach der Vollendung des Kirchenbaues im Jahre 1915 brach für die Schlosskapelle wieder eine schwere Zeit an. Die Inneneinrichtung wurde von der Kirchengemeinde an eine Notkirche in der Eifel verkauft. Die Kirchenväter wollten die Kapelle sogar abreißen, was allerdings von der Landesregierung verhindert wurde. Nachdem die Kapelle jahrzehntelang leer gestanden hatte, diente sie nacheinander als Sarglager, als Flüchtlings-Notquartier und letztlich trotz Einsturzgefahr wurde die Kapelle von den Liedbergern als Turnhalle genutzt.

Letzmalig rettete dann die Denkmalpflege das historische Gebäude, indem es völlig restauriert wurde. Die aufwändigen Arbeiten kamen nach mehreren Jahren (1961) zum Abschluss. Vor 30 Jahren war es dann die Liedberger Dorfgemeinschaft, die sich in selbstloser Weise mit Unterstützung ihres Bürgermeisters Graf von Spee um die Wiederherstellung als Gotteshaus mühte. Selbst die Inneneinrichtung der ehemaligen Kapelle wurde aus der Eifel zurückgeholt und die heutigen Bänke stammen aus der alten Kirche von Steinforth.

Der mühsame Restaurierungsprozess wurde von den Männern und Frauen der Dorfgemeinschaft in ihrer Freizeit ehrenamtlich abgewickelt und vor 25 Jahren abgeschlossen. Aus der verdienstvollen Dorfgemeinschaft ging der Heimatverein Liedberg hervor, der schließlich vor 20 Jahren für das kleine Kapellen-Türmchen eine neue Glocke gießen ließ. Die unter Denkmalschutz stehende St.-Georg-Schlosskapelle zu Liedberg erfreut sich speziell bei jungen Brautpaaren immer größerer Beliebheit: Sie wird von immer mehr Hochzeitspaaren aufgesucht.

Regelmäßige Andachten zu bestimmten kirchlichen Anlässen gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Der Heimatverein Liedberg, unter der Leitung von Leo Strerath, fühlt sich auch weiterhin für die Unterhaltung und Pflege "seiner Kapelle" in die Pflicht genommen. Immerhin verkörpert sie nicht nur die Vorgeschichte der katholischen Pfarre St. Georg Liedberg, sondern auch ein großes Stück der Liedberger Heimatgeschichte.

 


  Sandbauernhof

      Direkt neben dem Schulgebäude liegt der "Sandbauernhof". Er ist das Kommunikationszentrum der Stadt Korschenbroich. Vor einigen Jahren kaufte die Stadt diesen alten Bauernhof von der Familie Blankenstein und richtete ihn in der heutigen Form her. Die Bezeichnung "Sandbauernhof" verweist uns noch einmal auf den Lied-BERG. Er hat für lange Zeit dazu beigetragen, viele Bewohner des Ortes zu ernähren. Warum?

      Vom Steinbruch der Römer wurde schon geschrieben. Auch im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit wurden Steine gebrochen und verarbeitet. Die Mauern des Schloßturms und des Mühlenturms sind aus Liedberger Sandstein. Um 1600 wurden die Steinbrüche an auswärtige Benutzer verpachtet. Einmal war es sogar ein Pächter aus Holland. Liedberger Stein findet man in den Befestigungsanlagen von Linn, Kaiserswerth und Düsseldorf.

      1779 gelang es zum erstenmal den überaus harten Kinkert zu spalten. Nun tat sich eine neue Erwerbsquelle auf. Klinkertplatten wurden verkauft. Der Abbau geschah mehr oder weniger ungeordnet. In der preußischen Zeit suchte die Behörde, hier Ordnung zu schaffen. Federführend war das Oberbergbauamt Bonn. 1826 gab es mit einer Verordnung bekannt, dass das Brechen des Gesteins nur noch im offenen Tagebau gestattet sei. Das Deckgebirge musste drei bis vier Fuß abgetragen werden. Die Böschungswinkel durften nicht steiler als 45 Grad sein. 1843 bestätigte das Bergbauamt Düren, dass die Steinbrüche in einem guten Zustand seien. Ein schwunghafter Handel mit den Steinen blühte in Liedberg. Vor allem wurden Tür- und Fensterschranken, aber auch Gesimse aus dem Sandstein gefertigt. Sehr begehrt waren auch die Futtertröge. Heute sind sie es wieder, allerdings aus anderem Grund. Sie sind beliebte Blumenkübel in den Vorgärten geworden. Aus dem Klinkert wurden Pflastersteine hergestellt. Seit 1860 ging der Handel zurück. Der niederrheinische Ziegelstein setzte sich mehr und mehr durch, später kamen andere Kunststeine dazu. In dem Maße, in dem der Steinhandel verflachte, nahm der Sandhandel zu.

      Liedberger Sand wurde wegen seiner Feinheit und Reinheit vom 14. Und 17. Jahrhundert zur Glasgewinnung genutzt. Nach 1700 kam die Gewohnheit auf, die blankgescheuerten Platten in den Stuben mit Sand zu bestreuen. Dies war ein bedeutender Fortschritt in der Hygiene. Die Fußböden wurden sauberer gehalten, denn beim Ausfegen nahmen die scharfen Sandkörner den "Bodenbelag" (Speisereste, Tierabfälle) mit und die Steinfliesen waren ganz sauber. Da viele Häuser solche Fußböden hatten, bot sich für den Liedberger Sand eine verheißungsvolle Zukunft.

      Um 1800 begann die Sandgewinnung in größerem Stil. Der Sand wurde unterirdisch gefördert. Man trieb Stollen durch die Sandsteindecke bis zur Sandschicht. Unten wurden dann röhrenartige Gänge angelegt, aus denen man den Sand herausholte. In einer Hofecke des Sandbauernhofes ist ein solcher Schacht zu sehen.

      1823 waren zwei Sandminen in Betrieb. Sandhändler, allein in Liedberg sollen es 19 gewesen sein, vertrieben das Produkt in den Nachbardörfern und Städten. Für die weiteren Wege wurde der Sand in schmale Säcke gepackt. Lastträger waren Pferde und Maulesel. Der Nahbedarf wurde mit Schubkarren abgedeckt. Etwa von der Mitte des 19. Jahrhunderts an war der Straßenbau in unserer Heimat soweit fortgeschritten, dass der Sandtransport mit Fuhrwerken geschehen konnte. Um 1840 lebten allein im Ort Liedberg 54 Familien vom Sandabbau und -handel. Damals wurden die Gruben auch der Aufsicht des Bergamtes Düren unterstellt. Es hatten sich nämlich inzwischen einige Unfälle ereignet.

      Viele Leute versuchten allerdings, die strengen Bestimmungen des Bergbauamtes zu umgehen. Sie benutzten die vorhandenen Brunnenschachte zum Einstieg in die Erde. Dieser "schwarze" Abbau war natürlich gefährlich. Bei der Such nach dem "weißen Gold" fanden über 20 Sandgräber den Tod, weil nicht abgestützte Stollen einbrachen. Ab 1880 war der Abbau dann folgerichtig auch nur noch im Tagebau genehmigt. Trotzdem wurde im geheimen auch in den Schächten weitergebuddelt. Als Hermann Schmitz dabei den Tod fand, wurde der Sandabbau 1891 polizeilich verboten.

      Der Name "Sandbauernhof" hält die Erinnerung an diese Zeit wach.

     

Am Markt

Markt - Schlossstrasse

Pfarrkirche St. Georg

ehemaliges Bürgermeisteramt

An der Mühlengasse

Gaststätte Vennen um 1890

Schloss Liedberg

Beginn der Restaurierung und Renovierung 1974